Rheingold am Main

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Rheingold am Main

Folgenden Brief enthielt Frau Martin aus Schweinfurt. Wir hatten zu unseren Aufführungen auch die Mitglieder des Richard-Wagner- Verbandes eingeladen. Herr Schwädt folgte unserer Einladung und schrieb folgenden Brief:

RHEINGOLD, Schulaufführung am 8.11., Wirsberg Gymnasium Würzburg

Sehr geehrte Frau Martin,

ich bin in Bayreuth aufgewachsen, habe als Jugendlicher im Festspielhaus mitgewirkt (Periode Wieland Wagner), bin seit dieser Zeit ein Fan des Gesamtkunstwerks Richard Wagners, habe, nicht nur als Mitglied des RICHARD-WAGNER-VERBANDES, wirklich sehr viele Aufführungen in Europa und Übersee erlebt, könnte aus dem Stand – abgesehen von Tristan und Rienzi – alle Darsteller aus dem Souffleurkasten begleiten, und habe gestern Abend eine Aufführung in Ihrer Schule erlebt, die meiner Frau und mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Wäre Richard Wagner gestern Abend anwesend gewesen, er hätte im Anschluss begeistert im Rebstock soupiert, überzeugt, dass seine Aufforderung „Kinder schafft Neues“ in den Oberstufen des Wirsberg Gymnasiums auf einen – für ihn nicht vorstellbaren und - ungewöhnlich fruchtbaren Boden gefallen ist, sozusagen im Wortsinn.

Diese Aufführung zu loben, hieße Eulen nach Athen zu tragen, ich kann nur eines sagen: Chapeau! Diese Inszenierung war wirklich ein Gesamtkunstwerk, das umgesetzt mit den bescheidenen Mitteln einer Schule, ein Teamverständnis, Engagement und Spielfreude verriet, die sich in dieser Dichte auch bei professionellen Aufführungen nicht immer einstellt.

Eine Einzelkritik ist eigentlich ungerecht.

Gleichwohl sei es erlaubt zu nennen, was uns besonders gefallen hat:

  • Die Textsicherheit der Darsteller für dramatische Situationen, die in dieser Altersgruppe als go out gelten,
  • die gesprochene Verständlichkeit in der Aussprache, die es selbst älteren Herrschaften ermöglichte, dem Text auch ohne Laufband zu folgen,
  • die musikalische Begleitung – in kammermusikalischer Besetzung, in der jeder falsche oder schlecht gespielte Ton sofort auffällt (hervorragend Lara Hetzer, Waldhorn),
  • der Ansatz, männliche Rollen in sehr gelungener Weise weiblich zu besetzen (Loge, Erda, Hagen, Donner und Froh),
  • Besetzung und Spiel der beiden Waldvögelein (entzückend im Kostüm und ihrer Bewegung),
  • das verführerische Spiel der Rheintöchter und die Pfandauslösung der Freia im 4. Bild,
  • drei Szenen in der Inszenierung (Walhall als menschliche Pyramide, die gelungenen Transformationen von Alberich in Wurm und Kröte und Fafner als Drache – Szenen, die auch jede professionelle Inszenierung und Regie vor erhebliche Probleme stellen können),
  • gelungen das Spiel von Siegfried und Wotan (dem natürlich 15 zusätzliche Kilo gut getan hätten)
  • einfach umwerfend und bühnenreif Auftritt und Spiel der beiden Riesen, zwei Bauunternehmern mit der Schuhgröße 58,
  • in ihrer Souveränität und Überlegenheit gegenüber den „Oberen“ sehr überzeugend Lea Hausmayer als Loge, und
  • der Zynismus und die Intriganz, mit der Alina Penquitt den Überlebenskünstler Hagen verkörperte, werden uns als Geniestreiche der Inszenierung im Gedächtnis bleiben.

Das Konzept der Regie war einfach beeindruckend und hat begeistert. Die Schwierigkeiten, mit Schülern einen Probenplan durchzuführen, können wir lebhaft nachempfinden. Aber das Ergebnis war aller Mühen wert.

Ganz reizend auch die Ausgestaltung der Pause mit selbst belegten Canapes und prosecco, sehr netten Gesprächen mit bestens gelaunten Darstellern und Gästen,

Herr Schwädt gab uns sein Einverständnis, seinen Brief auf unserer Homepage zu veröffentlichen. Stolz und dankbar wollen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Siegfried Hutzel & Ralph Gerlich  

 



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