"Die Vögel" des Aristophanes

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Flüchtlingsproblematik, Fremdenfeindlichkeit, drohende Staatspleiten, Steuerhinterziehung, populistische Politiker – die Themen liegen auf der Straße und sind hochaktuell, aber keineswegs neu. Das ist grundsätzlich nicht verwunderlich. Dass dies alles aber bereits im 5. Jahrhundert vor Christus die Athener Gesellschaft beschäftigt hat, mag vielleicht doch den einen oder anderen überraschen. Der Athener Aristophanes (ca. 450 – ca. 380 v. Chr.) brachte in seinen Stücken aktuelle gesellschaftliche und politische Themen auf die Bühne. „Die Vögel“ gilt als eine seiner gelungensten Komödien. Diese nahm sich das Unterstufentheater in diesem Schuljahr vor, wobei wegen der starken Zeitgebundenheit des Stückes der Text allerdings an vielen Stellen umgearbeitet und vor allem aktualisiert werden musste.

Zwei Athener Bürgern geht die Mode, sich gegenseitig vor Gericht zu ziehen, so auf die Nerven, dass sie auswandern, zu den Vögeln, also in das Gebiet zwischen Himmel und Erde. Sie überreden die Vögel, einen eigenen Staat zu gründen, den Göttern den Kampf anzusagen und sich selbst zu  neuen Göttern zu machen, was ihnen auch gelingt. So ganz nebenbei macht sich dabei einer der beiden Flüchtlinge selbst zum König des neuen Vogelstaates. Der Schluss ist offen, aber der Zuschauer kann sich vorstellen, wohin das Ganze im schlimmsten Fall führen kann: Die ursprünglich freien Vögel begeben sich selbst immer mehr in die Hand eines Alleinherrscher. Und zumindest die Gefahr steht im Raum, dass dieser zum Gewaltherrscher werden könnte. Das dieser Stoff nach Aktualisierungen verlangt, ist offensichtlich. Und die ließen sich bei der aktuellen politischen Lage natürlich schnell finden, angefangen von der immer wieder drohenden Staatspleite des heutigen Griechenland, über den Umgang mit Flüchtlingen, der Manipulierbarkeit der Masse durch populistische Politiker, „Berater“, die aus der Unerfahrenheit von Bürgern möglichst viel Kapital schlagen wollen etc. etc.

Die Inszenierung des eingespielten Teams Rügamer / Amon fand großen Beifall beim Publikum, was natürlich vor allem den wunderbaren schauspielerischen Leistungen unserer Junioren zu verdanken ist, die mit großem Engagement und großer Spielfreude in allen drei Aufführungen voll bei der Sache waren. Auf manche schauspielerische Neuentdeckung aus dem Juniorenteam darf man für die nächsten Jahre schon sehr gespannt sein.

Mit beigetragen zu dem diesjährigen Erfolg haben nicht zuletzt auch die schönen Kostüme und die aufwändige Maske, für die Frau Maroske, Frau Grün u. Frau Neuberger verantwortlich zeichneten.  Wie immer bedanken wir und unser Publikum uns außerdem bei den vielen Helfern, die durch die Versorgung bei den Probenwochenenden, in der Technik, bei den Reservierungen, dem Bühnenbild, dem Catering, der musikalischen Begleitung diese Aufführungen mit ermöglicht und unterstützt haben.

Wir Regisseure freuen uns bereits auf das nächste Schuljahr, in dem unser Protagonist auf dem Esel gegen Windmühlenflügel zu Felde ziehen wird und so manch andere Abenteuer bestehen muss. Und damit dürften die meisten schon wissen, welches Werk der Weltliteratur wir dann – im Schuljahr 2015-16 – für die Bühne bearbeiten werden.


Josef Amon, OStR



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